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Ruderclub oder Botanischer Garten?
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Es war wirklich schön: fließende Wasser, das weite Schilf, die Schlinggewächse, die Wasserrosen, die leuchtende Sonne, die schwirrenden Libellen - vorbei an den Lippewiesen und dem ruhig weidenden Vieh, vorbei an den sandbänken, vorbei an arbeitenden Baggern, bis schließlich nach langer Fahrt durch den in weiten Schleifen sich windenden Fluß die Schleuse erreicht wurde.
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Das Zitat stammt von Friedrich Maria Rintelen, dem Weihbischof von Paderborn (aus: "Erinnerungen ohne Tagebuch", erschienen im Bonifatius-Verlag), der das Ruderrevier auf der Lippe bei Hamm schätzen und lieben lernte. So wie Brennerei-Besitzer august Asbeck, der den Anstoß zur Gründung des RC Hamm von 1890 gab. Dessen Vetter Fritz Geck, Kanalbau-Ingenieur und Mitbegründer des RV Münster von 1882, war bei Kanalarbeiten die vorzügliche Eignung der Lippe für den Rudersport aufgefallen.
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Heute fühlen sich im Bootshaus rund 800 mitglieder wohl. Und wenn sie ihre Boote zu Wasser lassen, empFinden sie sicherlich ähnlich wie die Vereinsgründer von damals. Denn der RC Hamm hat trotz Lippebegradigung und industrieller Einflüsse nicht an Flair eingebüßt. Das ist ein jahrelanger Verdienst der mitglieder, die sich Gestaltung und Pflege der Clubanlagen ebenso hoch auf die Fahne geheftet haben wie Leistungssport und Wanderruderfahrten.
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Das Bootshaus liegt nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt mitten in einer fünnf Quardratkilometer großen Lippeaue auf einem schmalen Damm. Umgeben von einer mächtigen Bepflanzung, erstreckt sich das nur 40 Meter breite Gelände über eine Länge von 300 Metern. Nur die Steganlage öffnet den Blick auf den gestauten Fluß und das benachbarte unter Denkmalschutz stehende Wasserkraftwerk.
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Inmitten liegt das Bootshaus, das Platz für rund 150 Gäste Bietet, mit drei Umkleideräumen, vier Bootshallen, Pächterhaus, Kegelbahn, Sauna, sowie Ergo- und Kraftraum. Angrenzend folgen sieben Tennisplätze und Tennishalle am östlichen Rand, durch die dichte Bepflanzung kaum einsehbar.
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Dieser Clubpark wurde - mit Ausnahme der 100 Jahre alten Kastanien, die den Umzug des Clubs im Jahre 1911 im Rahmen der Lippebegradigung und des Kanalausbaus "mitgemacht" haben - in den letzten 20 jahren geschaffen. Mit wertvoller Bepflanzung, wo früher noch schnellwachsende Weichhölzer wie Seulen- und Feldpappeln und Weiden standen.
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In diesem Dorado für Wassersportler reiften Talente heran, die später international für Furore sorgten. Zum Beispiel Klaus Bittner, der erfolgreichste Sportler der vom Bergbau sowie Stahl- und Drahtindustrie geprägten Stadt. Erst ein Jahr vor seinem Olympiasieg mit dem von Karl Adam trainierten Deutschland-Achter 1960 in Rom wechselte er aus Studiengründen nach Kiel.
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Bittners Olympiasieg war der Lohn für eine fruchtbare Aufbauarbeit im Jugendbereich, die der RC-Hamm auch heute noch pflegt. Und die mitglieder mussten 1907 schon eine Vorahnung gehabt haben, als sie den ersten Rennachter für 50 Goldmark anschafften. Mark Mauerwerk vergoldete seinen Achter-Auftritt bei der Weltmeisterschaft 1989 in Bled, Elke Markwort kam im Flagschiff der Frauen 1988 zu Olympiaehren. Und auch zahlreiche Jugendliche des RC-Hamm ernteten bei den Junioren-Weltmeisterschaften ihre größten Erfolge im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes.
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Seine erfolgreichste Zeit erlebte der RCH unter dem Vorsitzenden Dieter Haumann, heute Vorsitzender des Nordrhein-Westfälischen Ruder-Verbandes, in den 80er jahren. Dank der intensiven Jugendarbeit, auch ein Produkt der guten Zusammenarbeit mit den vielen schulen in Hamm
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(Talentsichtung und -förderung), gewannen die Ruderer von der Lippe 1986 erstmals den Deutschen Jugendpokal. Auch in den folgenden jahren war der RCH bei den DEUTSCHEn Jugendmeisterschaften in vorderen Rängen zu Finden. Der Lohn: Zweimal erhielt der Verein als Anerkennung für vorbildliche Talentförderung das Grüne Band der Dresdner Bank. Über diese Auszeichnung durfte sich auch einmal die Tennisabteilung freuen, die 1983 vom Fachmagazin "Westfalen-Tennis" zum Tennisverein des Jahres gewählt wurde.
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Das Hockey ein 19jähriges Gastspiel gab, ja dass auch Volleyballer mittlerweile fester Bestandteil des Vereinslebens sind und neben Erfolgen in der Meisterschaftsrunde des Volleyballverbandes mit fünf Siegen beim Deutschland-Pokal der Ruderer aufwarteten, zeugt von der Vielfältigkeit der Angebote, auf die der RC-Hamm sehr viel Wert legt. Und dazu gehören neben Frauen-, Altherren- und Wanderrudern ebenso die Angebote für die familie und die Steigerung der Attraktivität des Clubgeländes.
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Denn die fast schon naheliegende Frage auf einer Hauptversammlung "Sind wir ein Ruderclub oder wollen wir einen botanischen Garten eröffnen?" liegt so neben der Sache, wenn man sich die fast alle RuderVereine betreffende Frage vor Augen führt, wie erhalte oder steigere ich die Attraktivität eines Vereins und seines Vereinlebens, um den mitgliederschwund aufzuhalten. Erfahrungen vieler Vereine zeigen, dass dies mit sportlichen Aktivitäten allein nicht getan ist. Die Mitglieder wollen sich wohlfühlen.
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